Was können wir machen?

Diese Seite soll euch einige Möglichkeiten und Ideen geben, was am Pfadfindertag von euch umgesetzt werden kann. Natürlich sind eurer Kreativität keine Grenzen gesetzt und eigene Ideen dürft und sollt ihr verfolgen!

Aktionen für und mit geflüchteten Menschen:

Kinderfest

Zielgruppe: Kinder

Was Wölflingen Spaß macht, macht natürlich auch geflüchteten Kindern Spaß! Ladet Kinder aus Flüchtlingsfamilien zu einem gemeinsamen Spielenachmittag ein. Macht dabei all das, was eure Wölflinge begeistert und vielleicht ein paar besondere Spaßangebote. Denkt darüber nach, ob ihr auch ein Angebot für die Eltern schaffen könnt (Kaffee und Kuchen?). Sofern die Kinder noch nicht so viel Deutsch sprechen, sind besonders die Spiele geeignet, bei denen auch Körpersprache als Verständigung hilft. Oder ihr spielt eine Proberunde nur mit den Wölflingen und danach dürfen alle anderen auch mitmachen.

Sportturnier

Zielgruppe: Jugendliche

Sport verbindet und überwindet (Sprach-) Grenzen! Ladet jugendliche Geflüchtete ein zum gemeinsamen Fußball-, Volleyball- oder Basketballturnier. Am besten macht ihr gemischte Mannschaften, damit man sich auch gegenseitig kennenlernt und organisiert auch einen gemeinsamen Abschluss. Bei anschließendem Grillen oder sonstigem Essen sollte auf Essgewohnheiten der Gäste geachtet werden. Möglicherweise könnt ihr auch andere Jugendgruppen und –vereine mit in diese Aktion einbeziehen und deren Ressourcen (Sportplatz, Spielgeräte, …) nutzen.

Bürgerfest

Zielgruppen: Kinder, Jugendliche und Erwachsene

Bringt die Menschen aus eurem Ort oder Stadtteil zusammen – egal ob Alteingesessene oder neue Nachbarn! Hierbei ist es sinnvoll mit anderen Vereinen und der örtlichen Willkommensinitiative zusammenzuarbeiten. Auf jeden Fall sollten auch die Eltern eurer Mitglieder eingebunden werden. Wie groß und aufwändig ihr hier plant, hängt ganz von euren Möglichkeiten ab. Ihr solltet euch aber überlegen, wie ihr für alle möglichen Altersgruppen Angebote schaffen könnt und es gleichzeitig hinbekommt, dass auch Kontaktmöglichkeiten entstehen. Integriert werden können auch Kinderspiele und Sportangebote (s.o.).

Deutschkurs

Zielgruppe: Jugendliche und/oder Erwachsene

Hier müsst ihr euch im Klaren sein, dass dies ein Engagement darstellt, das ihr über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten müsst (mindestens ein halbes Jahr). Sicherlich könnt ihr keinen regulären Deutschkurs ersetzen (sollt ihr auch nicht!), aber auf den müssen viele Flüchtlinge lange warten. Insofern könnt ihr schon einmal ein erstes Kennenlernen der deutschen Sprache ermöglichen. Ihr solltet dabei nur eine kleine Gruppe betreuen und nicht enttäuscht sein, wenn sich diese über die Zeit ausdünnen kann. Glaubt nicht, dass ihr nicht professionell genug für das Sprachenlehren wäret! Wichtiger ist, dass ihr Lust habt, mit den Menschen in Kontakt zu treten. Allerdings solltet ihr im Vorfeld mit der Leitung einer Einrichtung sprechen, für deren Bewohner*innen ihr das Angebot machen möchtet. Stellt klar, dass ihr nur Menschen unterrichten könnt, die bereits alphabetisiert sind. Hinweise auf  hilfreiches und kostengünstiges Material findet ihr am Ende des Heftes.

Heimabend / Gruppenstunde zum Thema „Flucht“

Zielgruppe: Jugendliche (ab 16 Jahren) und junge Erwachsene

Ladet junge Geflüchtete zum Heimabend oder zur Gruppenstunde ein, am besten Gleichaltrige. Lernt dabei die Menschen besser kennen. Schafft dazu einen geeigneten Rahmen und achtet darauf, dass die Gruppe nicht zu groß ist. Lasst euch z.B. berichten, aus welchen Ländern eure Gäste stammen, wie sie ihre Flucht erlebt haben und aus welchen Gründen sie ihr Heimatland verlassen mussten. Allerdings ist es sehr wichtig, dass ihr im Vorfeld euer Anliegen klärt! Nicht jeder ist schon bereit über die oft traumatischen Fluchterlebnisse zu berichten. Für das gegenseitige Kennenlernen wäre es bestimmt auch gut, wenn ihr den Geflüchteten Fotos aus eurem Leben zeigt und dazu etwas erzählt.

Fahrt oder Lager

Zielgruppe: Kinder und Jugendliche

Was könnte es Passenderes geben, als mit den Kindern und Jugendlichen, die zu uns geflohen sind, gemeinsam auf Fahrt zu gehen? Ein besseres Kennenlernen wird nicht gelingen… Ihr müsst aber beachten, dass die Hürde, an einer solchen Fahrt teilzunehmen, ungleich höher ist, als für einheimische Kinder. Es wird deshalb sehr schwer sein, Teilnehmer*innen zu finden, denn ohne Sprachkenntnisse und genaue Kenntnisse über eure Gruppe, wird kein Elternteil sein Kind mitfahren lassen. Beachten solltet ihr bei der Planung außerdem, dass für viele Flüchtlinge sogenannte Residenzpflicht herrscht, d.h. dass sie einen bestimmten geographischen Raum (z.B. die Stadt, den Kreis oder das Bundesland) nicht verlassen dürfen. Am sinnvollsten ist es daher sicherlich, wenn ihr geflüchteten Kindern und  Jugendlichen erst einmal durch andere Aktionen ein Kennenlernen ermöglicht und euch dann bemüht, dass sie bei euren regulären Fahrten und Lagern dabei sein können. Ob der Teilnehmerbeitrag bspw. vom Jugendamt getragen werden kann, hängt sehr davon ab, welchen Aufenthaltsstatus die Menschen haben. Ihr solltet im Zweifelsfall den Beitrag auf alle anderen umlegen, wenn euer Stamm nicht die Möglichkeit besitzt, diesen ganz oder in Teilen zu übernehmen.

Welcome-Dinner

Zielgruppe: Jugendliche und junge Erwachsene

Kocht gemeinsam etwas Leckeres, vielleicht auch etwas Regionales oder „typisch Deutsches“ und ladet dazu Geflüchtete ein. Beim gemeinsamen Kochen und Essen lernt man sich schnell gut kennen. Um Enttäuschungen vorzubeugen, solltet ihr euch aber vorab informieren, ob bestimmte Lebensmittel wie Schweinefleisch oder generell tierische Produkte von den Gästen überhaupt gegessen werden. Vielleicht könnt ihr ja am Ende direkt einen Folgetermin vereinbaren, bei dem eure Gäste euch etwas aus ihrem Heimatland kredenzen?

Klamotten(tausch)- oder Verkleidungsparty.

Zielgruppe: Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre

Kramt die Verkleidungskoffer eurer Großeltern heraus, fragt beim lokalen Karnevals-/Faschingsverein an, prüft kritisch euren Kleiderschrank und bringt natürlich alle verfügbaren Kluften, Halstücher, Jujas etc. mit! Wählt einen passenden Ort, sagt Leuten Bescheid – vielleicht auch mit Hilfe eines textil verzierten Flyers – und dann gelingt euch vielleicht eine Aktion, die auf spielerische Art das Thema Kluft aber auch Themen wie Kultur oder Herkunft erlebbar macht. Konkret vor Ort bietet sich natürlich das Verkleiden an – vielleicht auch ergänzt um Schminken, eine Sofortbildkamera, einen kleinen Wettbewerb. Ebenso praktisch wie beliebt ist das Klamottentauschen. In jedem Fall empfiehlt es sich, den einen oder anderen Spiegel vor Ort zu haben (oder bewusst keinen? Es ließe sich ja auch die Meinung vertreten, es gebe schon zu viele Spiegel in diesem Land)!

Schnibbelparty vor Ort

Zielgruppe: Kinder, Jugendliche und Erwachsene

Für eine Schnibbelparty braucht ihr eine Bierzeltgarnitur (gern auch mehrere), Messer, Brettchen, Lagerküchen-Equipment und motivierte Leute. Ach ja: und Gemüse und andere Lebensmittel in größeren Mengen. Und wie geht das? Ganz einfach mit Grundkenntnissen der Fahrten- und Lagerküche sowie jeder Menge Schnibbeleinsatz. Eine solche Aktion müsste eigentlich ein Kinderspiel für Pfadis sein, könnte man meinen. Vielleicht habt ihr ja Lust, am Pfadfindertag ein Schnibbelexperiment zu wagen. Eigentlich braucht ihr nur das zu tun, was auf Lager oder Fahrt (all)täglich gelingt, nur diesmal an einem „besonderen“ Ort: vor einer Flüchtlingsunterkunft, in der Fußgängerzone, oder auch vor oder in eurem Pfadiheim. Je nach Wunsch kann eine Schnibbelparty mit Musik „unterlegt“ und durch Kinderprogramm und Mitmachaktionen ergänzt werden. Am Ende wird etwas Leckeres gekocht und mit den Geflüchteten gemeinsam gefuttert! Es empfiehlt sich eine Genehmigung der Gemeinde einzuholen. Potenzielle Lebensmittelspender sollten rechtzeitig und sorgfältig angefragt werden. Schlecht-Wetter-Ausrüstung oder -Plan nicht vergessen!

Teestube auf Zeit

Zielgruppe: Kinder, Jugendliche und Erwachsene

Nicht nur bei den Pfadfindern wird die Tradition des (Dschungel-)Tee- oder Tschai-Trinkens hochgeschätzt und gepflegt. Baut eure Teestube (z.B. in Form einer Jurte) an einem passenden Ort auf, macht es drinnen schön gemütlich und ladet gezielt Geflüchtete aber natürlich auch alle anderen Menschen auf eine Tasse ein. Vielleicht ergibt sich daraus ja ein Tschai-Rezept, eine Geschichte oder Melodie für künftige Jurtenabende. Vielleicht gelingt es euch ja auch – z.B. gemeinsam mit einer lokalen Initiative oder Betreuer*innen –, die Teestube gemeinsam mit einigen Menschen vorzubereiten, die nach Deutschland geflüchtet sind.

Kulturjurte

Zielgruppe: Kinder, Jugendliche und Erwachsene

Wie gut sich eine Jurte für Kulturprogramm aller Art eignet zeigt nicht nur die Kulturjurte in München (https://www.facebook.com/kulturjurte), das zeigt natürlich vor allem unsere Pfadfindererfahrung! Geübt oder gar gestählt durch zahlreiche Bunte und sonstige Abende seid ihr perfekt vorbereitet für diese Aktion. Überlegt euch ein Programm, einen passenden Ort, ladet die ein, die ihr erreichen wollt, bezieht sie in der Vorbereitung ein, lasst genug Platz für Spontanes – tja, und dann müsst ihr eigentlich nur noch eine Jurte aufbauen und einladend gestalten. Achtet bei der Vorbereitung von Beiträgen darauf, sie möglichst so zu gestalten, dass sie auch ohne Sprachkenntnisse verständlich sind (z.B. pantomimische Sketche oder Musik).

Aktionen ohne Einbindung von Geflüchteten:

Fahrradwerkstatt

Die Flüchtlinge sind häufig kaum außerhalb ihrer Unterkünfte anzutreffen. Dies liegt nicht nur an fehlenden Kontakten, sondern auch oft an mangelnder Mobilität. Ihr könnt alte Fahrräder in der Nachbarschaft einsammeln, wieder flottmachen und über die lokale Flüchtlingshilfe an Bedürftige weitergeben. Damit ist nicht nur der Heimabend für eine ganze Weile geplant, sondern ihr habt den Menschen eine große Hilfe erwiesen.

Unterstützung der lokalen Flüchtlingshilfe

Die Flüchtlingshilfen und Willkommensinitiativen suchen immer engagierte Mitstreiter*innen: Ob als Begleiter*innen von Geflüchteten bei Behördenbesuchen oder Ärzten, ob als Sprachenlehrer*innen oder einfach als Helfer*innen bei der Sortierung von Möbel- oder Kleiderspenden… Vielleicht könnt ihr als ganzer Stamm oder als Sippe bestimmte Aufgaben übernehmen – einmalig oder regelmäßig. Sprecht einfach mit der lokalen Initiative!

Spendensammlung

Nicht alles, was die Menschen, die zu uns geflüchtet sind, brauchen, kann vom Staat zur Verfügung gestellt werden. Und auch wenn Freundlichkeit und Offenheit die herzlichsten Merkmale einer Willkommenskultur sind, so ist es doch auch häufig eine materielle Hilfe, die gebraucht wird. Unterstützt die lokale Flüchtlingshilfe, indem ihr eine Sammlung durchführt. Ihr könnt zum Beispiel in der Fußgängerzone singen und dabei Geld sammeln. Oder ihr fragt nach, welche Dinge konkret benötigt werden und sammelt diese in der Nachbarschaft ein.

Spurensuche

Geht gemeinsam auf Entdeckungsreise und sucht in eurem direkten Umfeld nach Menschen, die ihre Geschichte von Migration erzählen können! Manche Eltern und Großeltern sind vielleicht nach dem Zweiten Weltkrieg geflohen oder haben in Deutschland Arbeit gefunden. Vielleicht gibt es Spuren der Flucht in den Biografien großer Persönlichkeiten eures Ortes oder eures Stammes, vielleicht bittet ihr aber auch einfach den Chef eures Lieblings-Multikulti-Imbisses, einmal seine Geschichte über das Ankommen in Deutschland zu erzählen. Nach einer kritischen Auseinandersetzung mit den Ergebnissen sowie deren künstlerischer Dokumentation habt ihr am Ende ein schönes Bild davon, wie viele grenzüberschreitende Lebenswege sich auch bei euch kreuzen.